Projektmanagement

Warum ich das Achsenkreuz nach 18 Jahren neu geschrieben habe

Blogbeitrag von Till H. Balser: 2008 bis 2026, 18 Jahre und zweimal im projektmagazin, mit dem Titel Warum ich das Achsenkreuz nach 18 Jahren neu geschrieben habe, dazu das Achsenkreuz aus Mensch, Organisation, Prozesse und Technologie

Es gibt Texte, die man schreibt und dann vergisst. Und es gibt Texte, die einen begleiten. Mein Artikel über das Achsenkreuz-Modell im projektmagazin aus dem Jahr 2008 gehört zur zweiten Sorte. In diesem Herbst ist er in einer neuen Fassung erschienen. Wie es dazu kam, und warum mir diese Aktualisierung so viel bedeutet, möchte ich hier erzählen.

Inhaltsverzeichnis
1. Vergangenheit trifft Zukunft
2. 2008: Ein zweites Bild neben dem Magischen Dreieck
3. 2026: Zum zweiten Mal im projektmagazin
4. Was geblieben ist
5. Was sich verändert hat
6. Was neu hinzugekommen ist
7. Fazit

Vergangenheit trifft Zukunft

Das projektmagazin existiert seit 26 Jahren, gegründet von Petra Berleb in 2000.

Das Tiba-Achsenkreuz existiert seit nunmehr 38 Jahren.

Nachdem in 2008 klar war, dass sich das projektmagazin zu einem der führenden Fachmedien für Projektmanagement entwickelt hatte, hielten wir es für dringend geboten, unsere Philosophie zu PM in diesem Magazin zu veröffentlichen.

2008: Ein zweites Bild neben dem Magischen Dreieck

Jede projektleiterin und jeder Projektleiter kennt das Magische Dreieck aus Terminen, Kosten und Qualität. Es beschreibt, was ein Projekt erreichen soll. Was mir in der Beratungspraxis immer gefehlt hat, war ein ebenso einfaches Bild dafür, was ein Projekt tragen muss, damit es diese Ziele überhaupt erreichen kann.

Daraus ist das Achsenkreuz entstanden: vier gleichwertige Achsen, Mensch, Organisation, Prozesse und Technologie, die im Gleichgewicht sein müssen.

2026: Zum zweiten Mal im projektmagazin

In diesem Sommer haben wir dem projektmagazin einen neuen Praxisbeitrag zum Achsenkreuz angeboten. Die Antwort der Redaktion hat mich gefreut und überrascht zugleich: Der Grundlagenartikel von 2008 sei bei den Leserinnen und Lesern sehr gut bewertet worden. Statt eines weiteren Beitrags schlug die Redaktion vor, diesen Grundlagenartikel umfassend zu aktualisieren, mit Blick auf moderne Vorgehensmodelle, heutige Toollandschaften und zusätzlichen praktischen Nutzen.

Dass ein Modell nach 18 Jahren noch so relevant ist, dass eine Fachredaktion es neu aufgelegt sehen möchte, ist für mich die schönste Bestätigung, die man als Berater bekommen kann. Mein herzlicher Dank gilt Nathalie Röseler und dem Team des projektmagazins für ihre Anregungen und die gründliche Redaktion.

Was geblieben ist

Die vier Achsen selbst. Mensch und Mindset, Organisation und Kultur, Prozesse und Methoden, Technologie und Tools. Und der Grundgedanke dahinter: Gerät eine Achse dauerhaft ins Hintertreffen, können die anderen das nicht auffangen. Im Artikel heißt es dazu: „Das Magische Dreieck beschreibt die Zielgrößen eines Projekts. Das Achsenkreuz beschreibt seine Tragfähigkeit.“

Geblieben sind leider auch die typischen Muster, wenn das Gleichgewicht fehlt. Teure Software, die kaum genutzt wird. Methodenschulungen, auf die ein Methoden-Overkill folgt. Hoch motivierte Teams, die an unklaren Zuständigkeiten scheitern. Diese Muster habe ich 2008 beschrieben, und ich sehe sie heute noch genauso oft.

Was sich verändert hat

Fast alles drumherum. 2008 war die Frage meist, ob ein Projekt sauber nach Plan gesteuert wird. Heute stehen plangetriebene, agile und adaptive Vorgehen nebeneinander und werden kombiniert. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, welche Methode die richtige ist, sondern welches Vorgehen zum konkreten Vorhaben passt.

Teams arbeiten verteilt, oft über Standorte und Zeitzonen hinweg. Unklare Entscheidungsrechte wirken sich dort noch schneller aus. Und die Werkzeuglandschaft ist explodiert: Viele Unternehmen haben heute nicht zu wenig Tools, sondern zu viele, und jedes Team pflegt sein eigenes.

Eine große Veränderung bringt die Künstliche Intelligenz. Sie steckt inzwischen in vielen Projektwerkzeugen, schlägt Planungen vor und verdichtet Statusberichte. Das kann enorm entlasten. Aber auch hier gilt das Achsenkreuz: Ohne Menschen, die einen Vorschlag fachlich einordnen und ihm widersprechen können, ohne klare Zuständigkeiten und ohne sauber gepflegte Daten erzeugt KI keine Klarheit, sondern schnellere Fehlschlüsse. Ob eine Verzögerung akzeptabel ist, bleibt eine Führungsaufgabe.

Was neu hinzugekommen ist

Die Redaktion wünschte sich einen Beitrag, nach dessen Lektüre man am nächsten Tag etwas anders macht. Deshalb hat jede Achse jetzt eine Leitfrage, konkrete Warnsignale, ein Beispiel aus der Praxis und einen Schritt, der sofort umsetzbar ist. Dazu kommt eine Standortbestimmung, die ein Kernteam in 60 Minuten an einem Whiteboard durchführen kann, und eine Checkliste für die vertiefte Fehlersuche.

Am wichtigsten ist mir dabei ein Gedanke, der 2008 noch nicht so klar formuliert war: Das Symptom tritt an einer Stelle auf, die Ursache liegt oft an einer ganz anderen. Ein gerissener Termin sagt noch nichts darüber, ob es an fehlender Akzeptanz, an blockierenden Zuständigkeiten, an einem unpassenden Vorgehen oder an einer nicht angenommenen Technologie liegt. Projektkrisen sind selten Planungsfehler. Meistens sind es Diagnosefehler.

Fazit

Nun folgt ein Satz, der mir besonders am Herzen liegt:

Das Achsenkreuz sollte im Unternehmen so bekannt sein wie das Magische Dreieck. Nicht als Theorie, sondern als gemeinsame Sprache, mit der Teams, Projektleitungen und Management früher erkennen, wo ein Vorhaben aus der Balance gerät.

Wenn Sie den Beitrag lesen möchten, finden Sie ihn im projektmagazin, Ausgabe 19/2026. Und wenn Sie wissen möchten, welche Achse in Ihrem Projekt gerade bremst: Sprechen Sie uns an. Genau dafür haben wir das Tiba 4-Achsenkreuz® entwickelt.

Ihr Till H. Balser

Zum Artikel im projektmagazin: Das Achsenkreuz-Modell: Mensch, Organisation, Methoden und Technologie: Was Projekte erfolgreich macht

Tills Autorenprofil: Till H. Balser im projektmagazin

Mehr zum Tiba 4-Achsenkreuz®: Zur Methode

Kontakt: Kontakt

Literatur

Quelle: projektmagazin, www.projektmagazin.de, Ausgabe 19, 2026

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